In der heutigen Zeit sind Schlagworte wie „New Work“ oder auch „Wellbeing“ in der Arbeitswelt schon längst keine Fremdworte mehr. Doch das Konzept, neben dem eigentlichen Job alternative Unternehmens-Angebote zu schaffen, existiert nicht erst seit gestern. Ein Beispiel hierfür ist der Mehrspartensportverein BSV AdW Berlin e.V.

Foto: Mari Carmen Del Valle Cámara

Der Berliner Sportverein Akademie der Wissenschaften wurde im Juni 1951 in der DDR gegründet, keine fünf Jahre nach der Gründung der Deutschen Akademie der Wissenschaften (1946). Aus der Überlegung heraus, Angestellten der Forschungsakademie einen sportlichen Ausgleich neben der Arbeit zu ermöglichen, entstand die Betriebssportgemeinschaft BSG. Bereits zum Zeitpunkt der Gründung war klar: Es würden derart viele Mitarbeitende die Option nutzen, dass gleich mehrere Abteilungen eröffnet werden müssen. Neben Basketball und Tennis konnten die Beschäftigten in ihrer Freizeit auch dem Kegeln, Segeln und Fechten nachgehen. 

Im Laufe der Jahre kamen zunehmend Sportarten hinzu. Besonders auffallend waren dabei die Erfolge der Basketball-Abteilung, welche zugleich die Nationalmannschaft der Deutschen Demokratischen Republik stellte. Sie gewannen insgesamt 13 mal die DDR-Meisterschaft. 

Mit der Wiedervereinigung kam auch die Umbenennung. Die Betriebssportgemeinschaft galt fortan als gemeinnütziger Verein, wodurch auch externen Interessierten Tür und Tor zur Teilnahme an den Aktivitäten geöffnet wurde. Viele der Sportarten aus dem Gründungsjahr werden noch heute angeboten, auch über die Grenzen Treptow-Köpenicks hinaus. Zudem fanden auch Randsportarten wir beispielsweise Bogenschießen und Pferdesport über die Jahrzehnte ihren Platz in den Reihen der Vereinsangebotes. Außerdem startete der BSV AdW im Jahr 2019 mit dem Wiederaufbau des Club ITALIA Berlino Fußballvereins. Insgesamt treten dort zwei Herren- und eine Ü32 Seniorenmannschaft in verschiedenen Ligen und Wettbewerben an. 

Wenn der Verein auch seit über 70 Jahren existiert, an seinem Außenauftritt ist davon nichts zu merken. Wer an Sportclubs interessiert ist, wird das Dilemma der Websites kennen, die aussehen, als wären sie mit Einführung des Internets entworfen und seitdem nie aktualisiert worden. Die Homepage listet übersichtlich alle verfügbaren Angebote auf, welche ebenfalls auf einer Übersichtskarte geografisch verortet sind. Die moderne Aufmachung hilft dabei, sich schnell zurecht zu finden. Fast jede der gebotenen Sportarten verfügt außerdem über eine separate Website, die ausführlich über die jeweilige Disziplin, Trainingszeiten und -gelände informiert. Unter dem Reiter „Wochenplan“ werden jedoch alle Events des Vereins gelistet. Unter der Nummer (030) 70 76 17 10 erhalten Interessierte ebenso Auskunft über alle Themenbereiche wie auch per Mail an vorstand@adw-berlin.de.

Heute fasst der Berliner Sportverein Akademie der Wissenschaften über 700 Mitglieder, die sich in mehr als zehn verschiedenen Disziplinen ausprobieren und messen können. Der Club bietet Interessierten an, bis zu vier Wochen lang an Schnupperkursen teilzunehmen. Als gemeinnütziger Verein verspricht der Club zudem angemessene Mitgliedsbeiträge, damit die Leidenschaft der Sportbegeisterten nicht von finanziellen Hürden gebremst wird.  All diese Bedingungen zahlen sicher auf den Status des Vereins ein: Der BSV AdW e.V. gehört zu den größten Mehrspartensportvereinen der Hauptstadt.

Besonders Adlershof gilt als wichtiger Forschungsstandort in der Berliner Stadtlandschaft. Auch früher schon, in den Jahren der Deutschen Demokratischen Republik, war die Forschungsakademie, nach welcher der BSV AdW e.V. benannt ist, eine wichtige Institution für die Wissenschaft – wenn nicht sogar die bedeutendste der DDR. Grund dafür war, dass die Einrichtung nicht nur als Gelehrtengesellschaft bestand, wie es bei vielen anderen Akademien war. Die AdW zeichnete vor allem aus, dass sie als Trägerorganisation für außeruniversitäre Forschungsinstitute fungierte. Mit der Wiedervereinigung wurden diese zwei Funktionen auf die heutige Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften verteilt. Die akademische Historie erinnert beim Traditionsverein – bei bloßem Hinsehen – heute nur noch das Logo: Es ist das Bohrsche Atommodell des Kohlenstoffs. 

Sie möchten Ihre persönliche Geschichte zur Akademie der Wissenschaften oder dem Verein teilen? Schreiben Sie uns an info@red-eagle-berlin.de.

-Lotti Hermel