Ein Blick in die Vergangenheit

Foto: Agnes G.

Die Geschichte des Güterbahnhofs Köpenick ist eng verbunden mit der Industrialisierung des Bezirks. Während die Gegend rund um den heutigen Bahnhof Köpenick bis in die 1830er Jahre aus feuchten Wiesen der Wuhle-Niederung und angrenzenden Wald- und Heideflächen der Wuhl- und Mittelheide bestand, wurde zunächst 1842 der Personenbahnhof Köpenick gebaut. Die Station wurde mit der Eröffnung des Streckenabschnitts Berlin–Frankfurt (Oder) in Betrieb genommen. Da sich die Station damals etwa einen Kilometer von der Stadt Cöpenick entfernt befand, wurde die auch heute noch existierende Bahnhofsstraße als Verbindung gebaut.

Industrialisierung und Bau des Güterbahnhofs

In den folgenden Jahrzehnten siedelten sich im näheren Umkreis des Personenbahnhofs industrielle Betriebe, insbesondere Chemie- und Metallwarenfabriken, an. Gleichzeitig wurden mehrgeschossige Mietshäuser für die Arbeitenden dieser Betriebe gebaut. Damit stieg die Zahl der Einwohnenden der sogenannten Dammvorstadt rasant an. Genauer: Sie versechsfachte sich von etwa 5.000 auf 30.000 Einwohnende. Der Bahnhof musste sich anpassen und so wurde zwischen 1899 und 1902 der Personenbahnhof grundlegend umgestaltet, um dem steigenden Verkehr gerecht zu werden. Unter anderem wurde der Bahnhof auf einen Damm verlegt, um die niveaufreie Kreuzung der querenden Straße zu ermöglichen. Im Zuge dessen wurde die gesamte Gleisanlage höher gelegt. Hier fand auch der später so große Güterbahnhof seinen bescheidenen Anfang. Entlang der Ferngleise, in unmittelbarer Nähe zum Personenbahnhof, wurde eine Güterladestelle erbaut. Diese wurde in den Folgejahren korrespondierend zum Wachsen der Industriestätte Cöpenick weiter ausgebaut. So entstand über die Jahre der Güterbahnhof Köpenick in seiner heutigen Ausdehnung.

Der Güterbahnhof während der Weltkriege

So wie auch der Güterbahnhof Köpenick über die Jahre erweitert wurde, wurden auch in seiner nächsten Umgebung weitere Wohnviertel gebaut. Insbesondere während der Wohnungsknappheit nach dem Ersten Weltkrieg, wurde am Stellingdamm, östlich des Güterbahnhofs, die Siedlung Elsengrund gebaut. Heute steht die Siedlung unter Denkmalschutz und ist in großen Teilen weiterhin erhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Bahnstrecken im späteren Ostdeutschland durch die Sowjetische Militäradministration zu Reparationszwecken abgebaut. Doch die Niederschlesisch-Märkische Bahn, wie die Strecke Berlin–Frankfurt (Oder) inzwischen genannt wird, stellte den wichtigsten Schienenweg in Richtung Sowjetunion dar und so wurden keine der Ferngleise demontiert, dafür aber beide S-Bahn Gleise des Personenbahnhofs Köpenick. Damit überlebte der Güterbahnhof die beiden Weltkriege recht unbeschadet.

Der Güterbahnhof im späten 20. Jahrhundert

Da die Ferngleise nach dem Zweiten Weltkrieg nicht abgebaut wurden, wurde der Güterbahnhof nach wie vor genutzt, insbesondere von Industriebetrieben. Unter anderem hatte der VEW Gamat hier bis in die 19990er Jahre seine Produktionsstätte und nutzte den Güterbahnhof Köpenick für den Transport seiner Waren. Doch mit der Abwicklung der Industriebetriebe in Köpenick während der Wendezeit, verlor auch der Güterbahnhof seine Funktion. So endete der Betrieb des Güterbahnhofs Köpenick Anfang der 19990er Jahre. Seitdem liegen die Flächen und Gebäude des ehemaligen Güterbahnhofs brach. In den letzten 30 Jahren hat sich dort ein artenreicher Grünraum entwickelt. Während hier derzeit Nachtigallen und Zauneidechsen zu Hause sind, soll es in Zukunft wieder mehr Leben auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs geben. Was genau dort geplant wird, erfahren Sie auf der nächsten Seite. Und keine Sorge, auch die Nachtigallen und Zauneidechsen finden in den neuen Plänen ihren Platz.

–L. Hoffmann-Kuhnt