Foto: Sven Bock

Nicht viele wissen, dass die Wiege der Berliner Elektroindustrie in Oberschöneweide liegt. Umso wichtiger ist die Arbeit des Industriesalons. In der Halle des ehemaligen Transformatorenwerks Oberschöneweide befindet sich heute eine Hommage an den Industriestandort Oberschöneweide. Auf 400 Quadratmetern wird die Geschichte des Standortes von der Gründerzeit bis heute erzählt. Es gibt ein Museum, in dem viele technische Exponate und ihre Funktionsweisen bestaunt werden können. Wechselnde Ausstellungen erfüllen die Halle mit Leben, genauso wie die Vorträge, Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen, die dort stattfinden. Wer mehr von dem Industriestandort sehen möchte, kann an einer der vielseitigen und spannenden Führungen durch das Gründerzentrum der Berliner Elektroindustrie teilnehmen. Dass die Mitarbeitenden für das Thema brennen, merkt man sofort und ihr vielfältiges Wissen über Technikgeschichte, Architektur und Biografien wichtiger Persönlichkeiten unserer Stadt machen die Touren zu einem aufregenden und informativen Erlebnis. Im eigentlichen Industriesalon gibt es spannende technische Zeitzeugen zu sehen, wie den „Trolli“, der Rasenmäher der DDR, welcher seinen Namen von dem ehemaligen Transformatorenwerk, in dem er hergestellt wurde, bekam. Genau dieses Hintergrundwissen, welches im Industriesalon vermittelt wird, macht ihn auch aus. Hier wird die Geschichte des Industriestandortes und welche Bedeutung er für die Entwicklung des Ortsteils Oberschöneweide hatte spannend aufbereitet.
Auch die Geschichte der Menschen, die hier arbeiteten und lebten, wird würdig bewahrt und erzählt. Wer zum Beispiel mehr über die Rolle der Frauen in den Fabriken lernen möchte, wird hier fündig. Und wo sonst bekommt man die Funktionsweise technischer Geräte von den Menschen erklärt, die sie früher auch gebaut haben?

Doch die Rolle, die der Industriesalon spielt, ist nicht auf die Bewahrung der Geschichte begrenzt. Neben den kulturellen Veranstaltungen, die hier geboten werden, erfüllt der Industriesalon eine Ankerfunktion. Er fungiert als Informationszentrum für alle, die neu in Schöneweide sind. Er hilft neuen Projekten – durch Einbeziehung der Geschichte, eine Identität zu geben. Durch Aktionen wie dem Repair Café, wird zum einen Nachhaltigkeit gelebt und zum anderen bietet sich ein Treffpunkt für Jung und Alt.

Im Repair Café können alle die Lust haben Unterstützung dabei finden, ihre alten Dinge, wie Elektrogeräte, Fahrräder oder Stoffartikel, zu reparieren. Es findet jeden ersten und zweiten Mittwoch im Monat im Industriesalon statt.
Allein in den ersten zwei Monaten dieses Jahres haben 500 Menschen an den Führungen des Industriesalons teilgenommen. Der Industriesalon bildet für Oberschöneweide ein unverzichtbares Kulturzentrum, in dem Geschichte bewahrt und erzählt wird, um mit Identität in die Zukunft zu gehen. Indem sich Jung und Alt, Alteingesessene und Neuzugezogene treffen und ist somit immer einen Besuch wert.

–L. Hoffmann-Kuhnt