Ja!” zum Radfahren – aber unter Lebensgefahr?

Foto: Reginald Gramatté

In der 13. Kalenderwoche (28. März bis 3. April) war es in Treptow-Köpenick mal wieder so weit: rund 430 Verstöße wegen unerlaubten Radfahrens auf Gehwegen sind von Mitarbeitenden des Ordnungsamtes im Rahmen einer themen- und anlassbezogen Schwerpunktkontrolle dokumentiert worden. Die Berliner Polizei begleitete die Kontrollen zu Beginn der Woche zusätzlich. Kontrolliert wurden u.a. die Bölschestraße, der Fürstenwalder Damm, Teile der Wendenschloß- und Dörpfeldstraße, die Altstadt Köpenick, die Umgebung des S-Bahnhofes Grünau sowie die Elsen-, Kiefholz-, Baumschulen- und Lohmühlenstraße. Auch der Treptower Park wurde unter die Lupe genommen, hier sei ein Einschreiten aufgrund geringer Auslastung aber nicht nötig gewesen.
Von den 430 kontrollierten Fällen unerlaubten Fahrens auf dem Gehweg, wurde bei insgesamt 50 Radfahrenden ein Auge zugedrückt” und lediglich eine mündliche Verwarnung ausgesprochen. Die anderen 380 erhielten Ordnungswidrigkeitenanzeigen.
Eine schwierige Situation, bedenkt man die vielen unsicheren Stellen im Radverkehrsnetz unseres Bezirks und die inzwischen immer lauter werdenden Schreie, Planungen und Aktionen im Sinne einer Verkehrswende, die zur selben Zeit eben auch das Zugeständnis, entsprechenden Verbesserungsbedarf zu haben, darstellt. Auch bei den kontrollierten Radfahrenden gingen die Reaktionen weit auseinander. Während die einen den Mitarbeitenden des Ordnungsamtes mit Verständnis und Einsicht begegneten, wiesen die anderen auf eben aufgeführtes Paradoxon hin, äußerten Bedenken bezüglich ihrer Sicherheit im Straßenverkehr und waren sichtlich verärgert. Auch in der Pressemitteilung des Bezirksamtes Treptow-Köpenick heißt es: Nach eigener Aussage wollen viele der Radfahrenden bestimmte Straßenabschnitte aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht befahren und fordern stattdessen einen Ausbau der Radinfrastruktur. Für das Ordnungsamt, das zwar für Kontrollen des Fließverkehrs auf Gehwegen und in Fußgängerzonen zuständig ist, nicht aber für bauliche Veränderungen der Verkehrswege, ein immer wieder latentes Spannungsfeld, das es für die Dienstkräfte mit Augenmaß zu manövrieren gilt.” Welche Instanz also ist dann verantwortlich und sollte diese ggfs. in Erwägung ziehen, auf dem Bürgersteig Fahrenden mit mehr Verständnis entgegenzutreten? Immerhin ist ja auch das große über allem schwebende Ziel – zugunsten der Umwelt und der Gesundheit, die Menschen mehr zum Rad- und stattdessen weniger zum Autofahren zu bewegen. Ob das unter Anbetracht des teilweise fehlenden Sicherheitsgefühls in Kombination mit solchen Kontrollaktionen tatsächlich erreichbar ist, bleibt zweifelhaft. Kinder dürfen laut Gesetz bis zum zehnten Lebensjahr auf dem Gehweg fahren. Und welche Eltern schreiben ihrem elfjährigen Kind schon gern vor, es habe auf dem Weg zur Schule mit dem Rad auf der Straße zu fahren?