Unkraut, Beikraut, Schmarotzer…
Sie haben viele Namen und sind selten willkommen: die Wildkräuter. Dennoch haben sie ungeahnte Heilkräfte für uns Menschen und werden oft unterschätzt. Eines dieser wilden Kräuter hat es bereits zu uns auf die Teller geschafft und ist – vor allem im Frühjahr, wortwörtlich in aller Munde: Der Bärlauch, oder hier bei uns in Berlin die verwandten Arten der Gattung Allium, auch Berliner Lauch, Wunderlauch oder Seltsamer Lauch genannt.

Der Bärlauch – Allium ursinum

Dieses köstliche Lauchgewächs schmeckt wunderbar frisch nach einer Mischung aus Schnittlauch und Knoblauch. Je nach Erntezeitpunkt verändern die Blätter ihren Geschmack von aromatisch mild bei jung geernteten Blättern über scharf bei ausgewachsenen Blättern bis hin zu bitter fad nach dem Einsetzen der Blüte.  Man findet den beliebten Bärlauch z.B. in der Wuhlheide und überall dort, wo ein Hauch von Knoblauch in der Luft liegt, in feuchten Laub- und Auwäldern sowie auf humusreichen Böden. Aber Achtung: Man kann ihn leicht mit Herbstzeitlosen oder Maiglöckchen verwechseln. Um ganz sicherzugehen und den lecker würzigen Bärlauch auch wirklich zu erkennen gibt es einen Trick: Reibt man die Blätter des Bärlauchs aneinander, riechen sie nach Knoblauch, die Blätter der Herbstzeitlosen und Maiglöckchen tun dies nicht. Außerdem wachsen die Blätter des Bärlauchs einzeln aus dem Boden heraus und nicht wie bei den Herbstzeitlosen und Maiglöckchen mehrere Blätter aus einem Stängel. Den frisch geernteten Bärlauch kann man circa drei Tage lang im Kühlschrank aufbewahren, einfrieren oder einlegen in Form von Pesto. Deswegen ist es wichtig, nur so viel zu sammeln, wie man in dieser Zeit verarbeiten und auch wirklich verbrauchen kann. 

Der Fuchsbandwurm 

Beim Thema Wildkräuter Sammeln stellt sich oft die Frage nach dem Fuchsbandwurm. Darunter versteht man ein Parasit der Füchse, der durch ihren Kot verbreitet wird und bei Verzehr kontaminiertem Blattguts, die Leber des Menschen befällt und sogar zum Tod führen kann. Trotz täglicher Waschung durch Morgentau und Regen ist es also ratsam, beim Sammeln von Bärlauch und generell Wildkräutern, auf ein paar Regeln zu achten, um keine befallenen Blätter zu erwischen: Erhöhte Stellen sollte man meiden (diese nutzt der Fuchs zum Ausschauhalten), die Blätter beim Pflücken ganz genau angucken und jedes Blatt einzeln gründlich vor dem Verzehr waschen. Im Berliner Raum hat der Fuchsbandwurm allerdings so gut wie keine Bedeutung. Beachtet man die o.g. Hinweise, ist das Risiko sich zu infizieren sehr gering. 

Die Heilwirkungen des Bärlauchs 

Der Bärlauch ist ein ausgesprochen gesunder und heilender Leckerbissen der Natur. Seine Inhaltsstoffe wie die Vitamine B1 und B2 und viel Vitamin C, Mineralien und Spurenelemente wie Eisen, Mangan und Magnesium, machen ihn ideal für eine Frühjahrskur und wirksam gegen die Frühjahrsmüdigkeit. Er wirkt entschlackend auf den Körper und versorgt ihn mit neuen Lebenskräften, vertreibt Pilze aus dem Darm und aktiviert das Lymphsystem. Bärlauch steigert die Zahl der Killerzellen und stärkt so das menschliche Immunsystem. Gleichzeitig regt er die Ausscheidung von Schwermetallen und anderen Umweltgiften an. Ebenso wie der Knoblauch wirkt der Bärlauch unterstützend auf Herz und Kreislauf. Er reinigt die Blutgefäße von Ablagerungen und kann bei Arteriosklerose mildernd oder vorbeugend wirken. Auch bei alltäglichen Symptomen der Arteriosklerose kann der wohlriechende Lauch helfen, sei es bei Bluthochdruck, kalten Händen und Füßen, schlechter Wundheilung durch bestehende Mangeldurchblutung, Schwindel, Kopfschmerzen, Gedächtnisstörungen, Schmerzen beim Gehen oder allgemeiner Leistungsschwäche. Sogar dem gefürchteten Herzinfarkt und Schlaganfall kann durch den Verzehr von Bärlauch vorbeugt werden. Allerdings sollte eine Kur mit Bärlauch nicht die einzige Maßnahme sein, um solch schwere Erkrankungen zu verhindern.

Nicht nur wir Menschen nutzen den Bärlauch (Allium ursinum) für eine stärkende Frühjahrskur. Allium bedeutet ,Lauch’ und urs ,Bär’. Das Wort Lauch steht mit dem altdeutschen Wort luhan in Verbindung und bedeutet so viel wie entfalten, öffnen. Um nach langem Winterschlaf wieder ihre volle Kraft zu entfalten, ihren Darm und Stoffwechsel zu aktivieren, fraßen die Bären Unmengen von dem wohltuenden Lauch und gaben ihm so seinen Namen. Wir Menschen tun es den Bären gleich und wecken durch den Verzehr des würzigen Bärlauchs bärenstarke Frühlingskräfte in unserem Körper. 

Foto: Maximiliane Schulze

Rezept für eine wilde Bärlauchbutter

Bärlauch und andere Wildkräuter lassen sich zum Krafttanken ganz einfach in unseren Alltag integrieren. Zum Beispiel in Form einer köstlich selbstgemachten Wildkräuter-Butter, die perfekt zu einer gemütlichen Grillrunde passt.  Am besten sammelt man hierfür an trockenen Tagen ein paar große Hände voller Bärlauch, gern auch ein paar junge Blätter vom Löwenzahn, eine Handvoll wilden Schnittlauch – falls man ihn findet, und Blüten vom Gänseblümchen zum Dekorieren. Auch Veilchen machen hier einiges her und verzaubern beim Essen das Auge. Hat man seine Kräuter aufmerksam und mit Sorgfalt zusammengesucht, wird – wie oben beschrieben, jedes Blatt einzeln gewaschen und am besten trocken geschleudert oder mit einem Küchentuch trocken getupft. Zwischendurch sollte die Butter oder vegane Butteralternative auf Zimmertemperatur gebracht werden. Danach können der Bärlauch und – wenn vorhanden auch die anderen Kräuter, in einem Mixer oder mit einem Messer zerkleinert werden. Die fein geschnittenen Wildkräuter werden nun mit der bereits weichen Butter ordentlich vermengt. Abschließend schmeckt man das Ganze mit ein wenig gutem Salz ab und dekoriert die wilde Kräuterbutter mit den wunderschönen selbst gesammelten Blüten vom Gänseblümchen und vielleicht sogar Veilchen. Et voilà: Schon hat man einen gesunden Gaumenschmaus gezaubert, der nicht nur richtig gut schmeckt sondern obendrein auch optisch einiges zu bieten hat und uns mit neuer Lebenskraft in den Sommer schickt.  -Maximiliane Schulze Wildkräuterexpertin, Content Creatorin