Eine Geschichte der Köpenicker Bundesligistinnen 

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Bereits zum zwölften Mal konnten die Berlin Recycling Volleys, am 30. April, die Meisterschale in die Luft stemmen – und das sogar zum sechsten Mal in Folge. Die Volleyballer mit Sitz in Charlottenburg, sind eine renommierte Größe im europäischen Profisport, füllen regelmäßig die Max-Schmeling-Halle und sind im Berliner Kosmos zudem für ihr soziales Engagement bekannt. Heute stehen die BR Volleys als alleiniges Volleyball-Aushängeschild für die Hauptstadt da, doch das war nicht schon immer so. Der Köpenicker SC stellte noch bis 2017 eine Damenvolleyballmannschaft, die sich zwölf Jahre lang im Profisport aufrecht hielt und das trotz einiger Strapazen, die es zu überwinden galt.
Es war ein rasanter Aufstieg in die Bundesliga, den die Spielerinnen ab 2002 miterlebten.  Noch 2002/03 standen sie in der Regionalliga, welche sie als Erstplatzierte abschlossen und damit den Aufstieg sicherten. Dort angekommen, brauchten die Köpenickerinnen lediglich eine einzige Saison, um sich in der zweiten Bundesliga zurechtzufinden. Bereits in der Spielzeit 2004/05 marschierten sie ungeschlagen bis an die Tabellenspitze durch und sicherten sich die Eintrittskarte für die erste Liga. Damit begann 2005/06 eine zwölf Jahre währende Historie des professionellen Berliner Frauen-Volleyballs. Für Michael Lehmann, den damaligen Coach des Teams, kam der Sprung in die oberste Etage sehr überraschend, wie er damals auch gegenüber der Berliner Morgenpost berichtete. Doch schienen nicht nur Trainer und Spielerinnen überwältigt, auch der Verein hatte grundsätzliche Hürden zu meistern, welche mit der Professionalisierung einer Mannschaft einhergingen.

So fehlte dem Team beispielsweise ein Management, wie es für Profis üblich ist. Allerdings wurde an derlei Dinge kein Gedanke verschwendet, bis die Realität der ersten Liga an die Tür klopfte. Ein Management hätte sich bis zum Saisonstart unter anderem darum kümmern können, einen Hauptsponsoren zu akquirieren – denn den Köpenickerinnen fehlten 250.000 bis 300.000 Euro, um überhaupt die Kosten für die Bundesliga decken zu können. Lizenzen mussten bezahlt, Schiedsrichtergelder entrichtet und Auflagen für die Heimspiele erfüllt werden. Und obwohl sich in diesem Jahr noch ein Geldgeber finden ließ, blieben die Finanzen bis zum Schluss das große Sorgenkind des Vereins. 

Das Team zeichnete sich all die Jahre durch ein ganz besonderes Merkmal aus: Der Altersdurchschnitt lag stets bei etwa 18 Jahren, während andere Mannschaften der Liga im Schnitt um die 25 Jahre alt waren. Aufgrund des jungen Alters der Spielerinnen konnten Trainingslager nur in den Ferienzeiten stattfinden, das Team musste ja zur Schule. Der extrem junge Altersdurchschnitt lässt sich durch die Nachwuchsarbeit des Köpenicker Sport-Clubs erklären. Diese wurde bereits um 1994 mit dem Ziel initiiert, die Spielerinnen zu Profis auszubilden.

Der Verein setzte seitdem auf die Eigengewächse, die zwischen sieben und zehn Jahre lang in der Köpenicker Schule die hohe Kunst des Volleyballs erlernten. Die mangelnde Erfahrung im Profisport machten die jungen Spielerinnen daher regelmäßig mit einem größeren Team-Spirit und noch mehr technischem Know-How wieder wett. 

Am Ende überwog jedoch der Leistungsdruck. Bis 2015 hielten sich die Volleyballerinnen wacker, landeten allerdings von Zeit zu Zeit auf den Abstiegsplätzen. Auch die Pokalrunden konnten jedes Jahr andere Teams für sich entscheiden. Was folgte, kann als nicht endende Abwärtsspirale bezeichnet werden: Mitten in der Saison sprangen einige Sponsoren plötzlich ab, wodurch dem Verein rund 100.000 Euro Kapital abhanden kamen. Aus der finanziellen Not heraus war der Club nicht mehr in der Lage, einen Co-Trainer zu beschäftigen, einige Spielerinnen wechselten den Verein und der Deutsche Volleyball Bund entdeckte zudem einzelne Verstöße gegen die Lizenzauflagen. Um bleibende Sponsoren für sich zu gewinnen, wollte das Team für jedes Spiel einen anderen Geldgeber engagieren und in deren Unternehmensfarben auflaufen. Doch selbst solche ausgefallenen Aktionen erhielten nicht die dringend benötigte Begeisterung. Mehrere Jahre lang war der Schrei der Köpenickerinnen nach finanzieller Unterstützung in Berlin zu hören, doch die Geldgeber blieben stumm.
Im Jahr 2015 verabschiedeten sich die Frauen des KSC aus der Bundesliga und spielten noch für zwei weitere Jahre in der zweiten Liga, bevor sie dem Profisport endgültig entsagten. 

Der Köpenicker SC ist heute mit seinen 1.800 Mitgliedern als zweitgrößter Sportverein Treptow-Köpenicks gelistet und steht damit zahlenmäßig direkt hinter dem 1. FC Union. Vielleicht schafft es dieser Club ja noch einmal, irgendwann wieder Profi-Luft zu schnuppern und den hochklassigen Volleyball nach Treptow-Köpenick zurückzuholen. 

–Lotti Hermel