Heute ist die Wuhlheide ein beliebtes Naherholungsgebiet in Oberschönweide mit Freizeitangeboten für Groß und Klein. Doch wie ist dieser Ort entstanden? Es lohnt sich, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, denn dieser schöne Ort hat viele Veränderungen durchlebt und ist Zeitzeuge der großen geschichtlichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts.

Gründung
Das Waldgebiet, auf dem sich der heute Volks- und Waldpark Wuhlheide befindet, wurde 1911 vom Zweckverband Groß-Berlin gekauft, um dort ein Wasserwerk zu errichten, damit die Trinkwasserversorgung für den wachsenden Ortsteil Oberschönweide gesichert werden konnte. Der Zweckverband verpflichtete sich, den Waldbestand zu erhalten und das Gelände als Erholungsort für die Bewohner*innen der Gegend zu erschließen. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden diese Pläne zunächst zurückgestellt; 1916 entstand somit nördlich des Wasserwerks erst einmal nur ein Ferienspielplatz für Stadtkinder.

Nach Kriegsende legte Gartendirektor Ernst Harrich der Treptower Gartenamtsverwaltung, im Jahr 1923, den Entwurf für einen 200 Hektar großen Volkspark vor. Dieser Plan wurde unter Einbeziehung von Arbeitslosen, bis 1932, umgesetzt. Wesentliche Eckpfeiler der damaligen Planungen waren Sozialhygiene, Gesundheitsfürsorge, die physische Stärkung der Besuchenden und die Grünflächenverbindung im Stadtgefüge. So wurden zahlreiche Anlagen für Sport und

Foto: A. Schwirrat

Spiel geschaffen sowie Themengärten gestaltet und Freiräume gelassen. Die Symbiose der Komponenten Wald und Park bestimmten über die Jahre die Gestaltung der Wuhlheide.

Zweiter Weltkrieg & Nachkriegszeit
Die Gewaltherrschaft der NSDAP ging auch an diesem – einstmals friedlichen Ort, nicht spurlos vorbei. Auf dem Gelände wurde ein Zwangsarbeitslager der Reichsbahn für Kriegsgefangene errichtet und ein Bunker gebaut. Durch Kriegsauswirkungen wurden viele weitere Bereiche der Wuhlheide zerstört. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges dann, wurden große Teile der Wuhlheide – inklusive des Zwangsarbeitslager, als Militärlager der Sowjetischen Stadtkommandantur beschlagnahmt, was zur weiteren Zerstörung der Parkanlage beitrug. Später wurde das Areal als Kasernengelände genutzt und somit der Parknutzung entzogen. Die Parkanlagen wurden nicht mehr gepflegt und so verwilderte der westliche Teil der Wuhlheide. Lediglich das Freibad war zu dieser Zeit noch in Benutzung.

Die Wuhlheide zu DDR Zeiten
Der östliche Teil der Wuhlheide wurde wiederum als Kulturpark nach Sowjetischem Vorbild errichtet. Ab 1951 wurde der Bereich, in dem das heutige Freizeit und Erholungszentrum (FEZ) steht, abgetrennt und als Pionierpark Ernst Thälmann aufgebaut. Dies geschah anlässlich der dritten Weltjugendspiele 1951, für die auch die heutige Parkbühne als große Freilichtbühne erbaut wurde. Diese entstand auf Wällen von Trümmerschutt; auf der Innenseite wurden Sitzplätze für 20.000 Besucher*innen geschaffen. Zur gleichen Zeit entstand auch die von Kindern und Jugendlichen betriebene Parkeisenbahn, das Ernst Thälmann Stadion und der Badesee. Alle diese Elemente sind auch heute noch von großer Bedeutung für die Wuhlheide. 1979 wurde dann das eigentliche FEZ inklusive Schwimmbad und großem Spielplatz als „Pionierpalast“ eröffnet. Das FEZ bietet nach wie vor ein breites Angebot an Bildungs-und Freizeitveranstaltungen.

Die Wuhlheide ab 1990
Mit der Wende begann die Planung einer schrittweisen Rekonstruktion des Volksparks. Das Militärgelände wurde renaturiert, Fundamente und Begrenzungen ehemaliger Anlagen wurden freigelegt, Wiesen und Spielplätze von Buschwerk befreit. Auch das Freibad wurde im Stil der 20er Jahre saniert, um den Ursprüngen der Wuhlheide zu gedenken. 1995 wurden Teile des Parks unter Denkmalschutz gestellt, unter anderem die Freilichtbühne. Zudem wird hier nun den Opfern des Faschismus gedacht, im März 2021 fand das ehemalige Zwangslager als Bodendenkmal Eingang in die Berliner Denkmalliste.

Heute ist die Wuhlheide mit ihren 317 Hektaren eines der beliebtesten Naherholungsgebiete Berlins, das mit seinen großen Laubwaldgebieten, freien Wiesenflächen und vielen weiteren Attraktionen zur ruhigen als auch aktiven Erholung einlädt. 

–L. Hoffmann-Kuhnt