Foto: Anne T.

Auf der grünen Aue. Einst der Name des Ortsteils am linken Ufer der Dahme. Heute kennen wir diese Gegend als Grünau. Mein Großvater wuchs hier, in der vom Krieg fast gänzlich unbeschadeten Bruno-Taut oder auch Tuschkastensiedlung, auf und schwelgt noch heute in Erinnerungen an diese Zeit und diesen Ort. Heute lockt der grüne Rand neue Bewohner an und das Publikum durchmischt sich mehr und mehr. Neue Wohnräume werden geschaffen und von Wendenschloss kann man mit der Fähre das Wasser überqueren. Dieser Ort hat nicht nur Wellen und Natur zu bieten. Auch soziokulturell gibt es einige engagierte Menschen, die sich seit Jahrzehnten für die Kultur und das kreative Leben einsetzen. Der Ortsverein Grünau bietet beispielsweise ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm für Groß und Klein. Heute hat der Nachwuchs eingeladen, um uns im Rahmen der Malgruppe ‚Kunstgespür’ seine erarbeiteten Werke in der kleinen Galerie des Bürgerzentrums zu präsentieren. Eine bunte Kinderschar tummelt sich aufgeregt vor der Treppe und begrüßt uns freudestrahlend. Drei Treppenstufen hinauf und das Gemurmel der Anwesenden empfängt einen sanft und man blickt auf Fotografien, bunt bemalte Kunstmappen und eine kleine Bar. Die Kinder sammeln am Eingang Spenden für wohltätige Vereine wie ‚Die Arche’, ‚Unicef’ und eine mecklenburgische Kirchengemeinde, die sich für geflüchtete Menschen aus der Ukraine einsetzt. Stolz drücken sie uns einen Stempel auf die Hand. „Schön, dass du da bist.“

Allmählich beruhigt sich das Treiben und die letzten Ankömmlinge drücken sich in den Raum, bevor Manuela Linke, die Leiterin des Kurses, ein kurzes Wort an uns richtet. Seit 12 Jahren bietet die studierte Grafikdesignerin Kurse für Kinder und Erwachsene an, wobei die Arbeit mit den Kindern im Vordergrund steht. Sie ist offen für Interessierte und möchte vor allem die ureigene Fantasie der Kinder anregen und einen Kontrast  zum manchmal engeren Rahmen in der Schule schaffen, bei dem nicht immer Zeit bleibt, um auf die Individualität einzugehen. Hier dürfen die Kinder außerhalb der Norm interagieren und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Manuela ist sehr dankbar für das Engagement der Eltern und froh, dass die Zeit der Online-Kunstkurse vorerst der Vergangenheit angehört. Nach der kurzen Rede dürfen sich auch die Kinder vorstellen und die Ausstellung ist eröffnet. Die kleinen Künstlerinnen und Künstler erzählen von den verschiedenen Techniken, die sie gelernt haben. Über Papierdruck, Fadentechniken, Malen mit Pastellfarben, Ton- und Farblehre ist alles zu finden. Sie treffen sich immer donnerstags, einmal pro Woche. Die kreative Arbeit schweißt zusammen und auch der soziale Aspekt für die Kinder, ist deutlich spürbar. Freundschaften werden geknüpft, man hat Spaß und nebenbei kommen auch garnicht so schlechte Kunstwerke heraus, wie uns ein Junge verrät, als wir fragen, was ihm besonders gut an dem Kurs gefällt. 

Foto: Anne T.

Auch Matthias Breuer, der neue ehrenamtliche Vorsitzende des Ortsvereins, ist anwesend und berichtet mir von den weiteren  Plänen. 2023 ist ein Umzug in die Räumlichkeiten des Strandbads Grünau geplant. Genau genommen in die Regattatribünen. Diese werden umgebaut und bieten dann einen neuen Platz für den Verein. Wer an den weiteren Veranstaltungen interessiert ist, muss nur auf die Seite www.ortsverein-gruenau.de gehen und bekommt alle Informationen und auch den Kontakt zu Kursen wie ‚Kunstgespür‘. 

Allmählich wird es leerer und wir verabschieden uns. Wir treten aus den Räumlichkeiten hinaus, schwingen uns auf die Fahrräder und genießen den sanften Fahrtwind im Gesicht. Die gesammelten Eindrücke beflügeln mich und ich merke wieder einmal mehr, wie wichtig ehrenamtliches Engagement und Kontinuität sind. Es beeindruckt mich sehr, wenn Menschen ihren Enthusiasmus des Teilens wegen mit anderen zelebrieren und nicht, weil ein materieller Gedanke dahinter steht. Wertschätzung ist hier der Schlüssel.

Zuletzt bleibt mir der Satz eines Jungen im Gedächtnis: „Und außerdem sind wir doch besser als Monet. Oder nicht?“  Dem gibt es wohl nichts hinzuzufügen. 

 

Anne T.