Karikatur von Martin Claus

Vor wenigen Wochen hat sich eine Bekannte dazu entschieden, ihre ungewollte Schwangerschaft abzubrechen. Der Grund dafür ist simpel und einleuchtend: Sie wollte noch keine Mutter werden. Sie ist in der Ausbildung, kommt gerade so allein über die Runden. In ihrer Freizeit ist sie oft unterwegs, unternimmt viel, hat einen großen Freundeskreis. Jetzt ein Baby? Undenkbar. Zu sehr überwiegt die Sehnsucht nach Ungebundenheit.

Diese Verantwortung kann und will sie nicht tragen. Noch nicht. Und der Kindsvater im Übrigen auch nicht. Aber das tut nicht viel zur Sache, da es ihr Leben ist. Es ist vor allem ihr Körper. Es ist ihre intimste Angelegenheit und die Entscheidung darüber ist ganz allein ihre Sache. Nicht umsonst heißt es so oft: „My Body – My Choice!“. Zu deutsch: „Mein Körper – Meine Wahl!“. Denn niemals hätte ich mir angemaßt, ihre Entscheidung zu beurteilen. Ich lebe nicht ihr Leben und nur sie weiß in dieser Situation, was das Richtige für sie ist. Ich sehe darin ein gutes Beispiel für weibliche Selbstbestimmung: Eine Frau, die über ihren eigenen Körper ihre eigene Entscheidung fällt.

In Deutschland ist das dank §218 Strafgesetzbuch (StGB) möglich. Der Paragraf regelt die Straflosigkeit von Schwangerschaftsabbrüchen: Diese sind erlaubt, wenn seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind und Schwangere sich einer entsprechenden Beratung unterzogen haben. Darüber hinaus bleibt ein Schwangerschaftsabbruch straffrei, wenn eine medizinische oder kriminologische Indikation vorliegt. Besteht also beispielsweise Lebensgefahr für die Schwangere oder resultiert die Schwangerschaft aus einem Sexualdelikt, darf ein Abbruch vorgenommen werden. Aber eben nicht nur aus diesen Gründen. Hierzulande darf eine gebärfähige Person bis zur zwölften Schwangerschaftswoche selbstständig darüber entscheiden, ob sie das Kind bekommen möchte oder nicht – und das ist gut so!

Ein Grund mehr, wieso ich froh bin, als Frau in Deutschland zu leben. Haben wir doch erst vor Kurzem die Abschaffung des §219a StGB gefeiert.

219a verbot es Ärzt*innen sachliche Informationen zum Thema Schwangerschaftsabbruch zu veröffentlichen und wurde daher als „Werbeverbot“ betitelt, was irreführend ist, da es nie um Werbung ging. Vielmehr wurde hier über Jahre eine Ersatzdebatte für das Abtreibungsrecht geführt. Millionen von Frauen und allen gebärfähigen Personen wird mit der Streichung nicht der Abbruch erleichtert, sondern stellt ein Grundrecht wieder her: Das Recht auf Informationsfreiheit. Lange haben wir darauf gewartet!

Was passieren kann, wenn sich in diese Debatte zunehmend ideologische und religiöse Überzeugungen bishin zu Fanatismus mischen, sehen wir im Moment in Amerika. Am 24. Juni dieses Jahres kippte der konservativ dominierte Oberste Gerichtshof (Surpreme Court) der USA das seit fünf Jahrzehnten geltende Recht auf Abtreibung. Eine historische Zäsur, die weltweites Entsetzen auslöste. So auch bei mir. Den einzelnen Bundesstaaten steht es nun frei, Schwangerschaftsabbrüche zu erlauben, sie einzuschränken oder gänzlich zu verbieten. Hurra!

„Es ist ein Schlag ins Gesicht der Frauen“, kritisierte die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, mit scharfen Worten das Urteil. Und ich als Frau kann das bestätigen. Zwar lebe ich nicht in den USA und bin daher von dem Urteil nicht persönlich betroffen, jedoch macht es mich betroffen. Es macht mich wütend, dass in der heutigen Zeit so ein Urteil überhaupt möglich ist. Schwangerschaftsabbrüche müssen strafrechtlich reguliert werden. Das ist ganz klar. Frauen oder andere gebärfähige Personen, die in Lebensgefahr schweben, vergewaltigt wurden oder aus gut nachvollziehbaren Gründen ihre Schwangerschaft abbrechen wollen und dann mittels Rechtsprechung dazu gezwungen werden, nicht mehr eben jene Wahl über ihren eigenen Körper zu haben, beschämt mich zutiefst. Denn nun heißt es in Amerika, wie auch schon zuvor in anderen Teilen dieser Welt: „My Body – Not my choice!“. Zu deutsch: „Mein Körper, nicht meine Wahl!“.

eine Meinung von Anna Schanze, Referendarin an einer Berliner Grundschule