Auf der Pferderennbahn Karlshorst (1910) -Foto: Bundesarchiv

Auch wenn sich Pferderennen heutzutage nicht mehr allzu großer Beliebtheit erfreuen– und nach der letzten Olympiade sogar etwas in Verruf geraten sind – gehören sie zu den ältesten organisierten Sportarten der Menschheit. So dienten sie lange der Zuchtauslese, aber hauptsächlich auch zur Unterhaltung.
Ein solcher Ort des Vergnügens und der Unterhaltung war und ist die Trabrennbahn Karlshorst. Wenn auch nicht ganz in Treptow-Köpenick gelegen, ist sie doch so nah, dass viele Bewohner*innen sie schon oft besucht haben. Insbesondere in ihrer Glanzzeit war sie ein beliebtes Ausflugsziel, sogar die Königsfamilie ließ sich damals häufiger dort blicken.

Frühe Geschichte
Nach dem Vorwerk ist die Trabrennbahn sogar die älteste Ansiedlung auf dem heutigen Gebiet des Stadtteils Karlshorst. Schon 1854 finden im „Vorwerk Carlshorst“ die ersten Berliner Renntage statt. Am Anfang gab es nicht einmal einen Bahnhof, die Besuchenden wurden in Sonderzügen nach Carlshorst gebracht und stiegen am Bahnwärterhäuschen aus. Im Juni 1862 überreichte der damalige König Wilhelm I. den ersten Preis, im „Ersten Deutschen Armee-Jagdrennen des preußischen Heeres“, denn die Mitglieder des Königshauses waren seit 1855 regelmäßige Gäste.
Die eigentliche Trabrennbahn entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts. 1893 verkaufte der Gutsbesitzer Sigismund von Treskow das 1,2 Quadratkilometer große Gelände an den Verein für Hindernisrennen für 500.000 Mark.
Drei Architekten waren maßgeblich für die Gestaltung der Trabrennbahn verantwortlich: Johannes Lange für die Hochbauten, Rudolph Jürgens für die Landschaftsanlagen und Martin Haller für die sporttechnische Gestaltung. Nach ihren Vorstellungen entstand zwischen 1893 und 1894 die „Galopprennbahn für Hindernis- oder Jagdrennen“, welche am 9. Mai 1894 eröffnet wurde. Zu dem Ensemble gehörten Holztribünen, der Kaiserpavillon, das Restaurant und Teehaus, Post- und Telegraphenstation sowie Ställe und Trainierbahnen. Es wurde auch eigens ein Bahnhof gebaut, denn an Renntagen zählte die Rennbahn bis zu 50.000 Besuchende.

Foto: R. Rose

 Eine Neue Tribüne
Die Rennbahn erfreute sich weiterhin großer Beliebtheit und so wurde eine neue Tribüne in Auftrag gegeben. Der Architekt Henrich Straumer bediente sich für die 1935 eröffnete Tribüne der „Neuen Sachlichkeit“ im Kontext der Bauhausbewegung. Bezeichnend dafür ist die klare Formensprache, ganz ohne schmückende Ornamente. So wirkt das Gebäude trotz seiner 95 Metern Länge und 32 Metern Tiefe, hell und elegant und trotzt damit dem Machtanspruch der Architektur der NS-Zeit. Dies gelang dem Architekten durch die vertikale Staffelung und die volle Durchfensterung des Mittelteils der Westfassade. Schon damals fanden dort 2.300 Zuschauende Platz.

Zweiter Weltkrieg und danach
Da die andere große Rennbahn in Berlin, in Mariendorf, nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht wieder zur Verfügung stand, fand das erste Trabrennen nach dem Krieg in Karlshorst, am 1. Juli 1945, statt. Das Publikum zählte damals 50.000 Menschen. Erst deutlich nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rennbahn zur tatsächlichen Trabrennbahn umgebaut und etwa auf das Doppelte vergrößert. Denn während der deutschen Teilung war dies die einzige Trabrennbahn der DDR. Damals wurde sie vom volkseigenen Betrieb Trabergestüte und Trabrennbahn betrieben und es fanden das ganze Jahr über zweimal wöchentlich Rennen statt.

Jüngste Vergangenheit

Nach der Wiedervereinigung verpachtete die Treuhandanstalt die Trabrennbahn Karlshorst zunächst an den Trabrennverein Mariendorf (TVM). Doch seit den 2000er Jahren gibt es einen wirtschaftlichen Niedergang des Pferderennsports zu verzeichnen und der TVM zog sich infolgedessen zurück. 2004 wurde das Gelände zum Verkauf ausgeschrieben. Eine Hälfte konnte als Bauland verkauft werden und die andere an den neu gegründeten Pferdesportpark Berlin-Karlshorst e.V., der sie bis heute betreibt. Heute steht die Trabrennbahn mit der zugehörigen Tribüne unter Denkmalschutz.

2019 konnte auf einem bis dato brachliegenden Areal das bisher bundesweit größte Pferdesport- und Reittherapiezentrum gebaut werden. So bekommt die Trabrennbahn neues Leben und ein in Kritik geratener Sport kann seine guten Seiten zeigen.

–L. Hoffmann-Kuhnt