Wie komme ich zu meinem eigenen Schrebergarten?

Foto: Heanson Scaled

Es sind der immer schneller werdende Alltag und Temperaturen wie diese, die die Sehnsucht vieler Berlinerinnen und Berliner empor wachsen lässt. Sehnsucht nach Abkühlung, Sehnsucht nach einem Ort im Grünen, Sehnsucht nach etwas persönlicher Ruhe und Freiheit, die zulässt, sich barfuß und in schlabbernden Klamotten – oder auch mal gleich ganz ohne, zu bewegen. Zugegebenermaßen alles keine Anliegen, die sich ganz ohne Hemmungen in öffentlichen Parkanlagen ausleben lassen. Zumindest noch nicht. Und sollte dem irgendwann so sein, sind da immer noch die anderen Menschen. Menschen, die man sich in der Regel eher woanders wünscht, wenn man insgeheim auf der Suche nach Privatsphäre im Freien ist. Auch wenn die allermeisten von uns vermutlich ihr Leben lang nicht in den Genuss eines Eigenheims kommen werden, was in vielerlei Hinsicht – vor allem aber unter Anbetracht soziologischer und ökologischer Entwicklungen – sicherlich sinnvoll ist, so bleibt der Wunsch bei vielen dennoch bestehen. Abhilfe können sogenannte Schreber- oder auch Kleingärten bieten: Auch wenn das Verdrängen und Abreißen jener Flächen in vielen Schlagzeilen der letzten Monate, ja schon fast Jahre, für Bedenken sorgt, so ist Berlin noch immer eine der Kleingartenhochburgen Deutschlands. Sage und schreibe 66.000 Kleingärten gibt es in unserer Hauptstadt. Klingt erstmal viel; im Vergleich mit Berlins Einwohner*innenzahl in Höhe von 6,2 Millionen, wirkt die Zahl schon wieder recht mickrig, womit wir auch schon bei der ersten zu überwindenden Hürde wären:

„In Großstädten, z.B. in Berlin oder München, können nach der Anmeldung für einen Kleingarten gut vier bis acht Jahre vergehen, bis die eigene Parzelle zur Verfügung steht. In anderen Bundesländern wie Niedersachsen, Sachsen-Anhalt oder Schleswig-Holstein kann es dafür sehr viel schneller gehen (…) Lange Wartezeiten in Ballungsgebieten sind auf sehr hohe Nachfrage und zu geringes Angebot an Kleingärten zurückzuführen“, heißt es zu den aktuellen Zahlen auf der Homepage des Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. Im Osten Deutschlands hingegen herrsche ein Überangebot: „Mehr als die Hälfte aller Kleingärten – und damit knapp eine halbe Million – befinden sich in den ostdeutschen Ländern, bei einem Einwohneranteil von nur 15 Prozent.“

Halten wir also fest, dass der Anteil an Kleingärten in Deutschland aktuell nicht bedarfsgerecht verteilt ist. Okay. Und was, wenn ich mir dennoch einen Kleingarten wünsche und bereit bin entsprechende Wartezeiten in Kauf zu nehmen? Das Folgende soll einen kleinen Überblick darüber geben, welche Schritte zu gehen und welche Dinge (vorab) zu beachten sind:

Zunächst einmal, ist es vorteilhaft zu wissen, dass das Pachten eines Kleingartens mittlerweile an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. „Die Belange des Umweltschutzes, des Naturschutzes und der Landschaftspflege sollen bei der Nutzung und Bewirtschaftung des Kleingartens berücksichtigt werden“, heißt es im Bundeskleingartengesetz §3. Bedeutet im Umkehrschluss: einen Garten für Feten pachten, ist nicht drin. Jede Kleingartengemeinschaft obliegt unterschiedlichen Vereinsregelungen – auch für ein reibungsloses Miteinander. Es bietet sich also an, vorab einen Blick in diese Regelungen zu werfen und sich zu überlegen, ob die eigene Person in entsprechendes Konstrukt passt. Aber keine Sorge! In der Regel und entgegen mancher Pauschalisierung, sind solche Kleingartengesetze weitaus weniger penibel, als teilweise angenommen. Bei Interesse an einem Kleingarten rät der Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V. sich direkt an einen der 18 Bezirksverbände zu wenden. Für Treptow-Köpenick wären das übrigens die folgenden zwei:

Bezirksverband der Gartenfreunde Köpenick e. V.
Dahmestr. 25, 12527 Berlin; Tel.: 030 / 6 74 45 21

Bezirksverband der Gartenfreunde Berlin-Treptow e. V.
Friedrich-List-Str. 2 b, 12487 Berlin; Tel.: 030 / 53 01 49 41

Bei beiden – und auch bei allen anderen Bezirksverbänden, lassen sich die genauen Voraussetzungen für die Aufnahme auf der Bewerber*innenliste in Erfahrung bringen. Ganz abgesehen von spezifischen Voraussetzungen und Regelungen, sieht das Kleingartengesetz allgemeine Nutzungsrichtlinien vor. So darf z.B. ⅓ des Kleingartens für Gartenbauerzeugnisse (also Gemüse und Obst), ⅓ für Erholungszwecke (Sitzplätze, Laube, Wege, Schaukel, Pool etc.) und ⅓ für Zierpflanzen bzw. -flächen (Rasen, Dekoration etc.) genutzt werden. Die Erzeugnisse aus eigenem Anbau sind allerdings ausschließlich für den Eigenbedarf, nicht für erwerbsmäßige Zwecke vorgesehen. Dauerhaft wohnen darf man in den Kleingärten übrigens nicht; Übernachtungen – z.B. ein Wochenende lang, sind jedoch gestattet.

Hat man nun für sich entschlossen, bei welchem Kleingartenverband man sich am ehesten sieht und bewerben möchte, geht es ans Eingemachte: die Bewerbung an sich. Aber auch hier gilt: Alles weniger kompliziert, als gedacht. Mittlerweile bieten die meisten Verbände auf ihrer Homepage die Möglichkeit, sich online zu bewerben; ein entsprechendes Formular zum Ausfüllen kann ganz einfach heruntergeladen, ausgefüllt und einschließlich zusätzlich geforderter Unterlagen digital eingereicht werden. Für Menschen, die den herkömmlichen Weg via Briefversand oder Einwurf in den Hausbriefkasten bevorzugen, besteht auch diese Möglichkeit.

Bewerbung eingereicht – und was nun?
Nun heißt es warten, warten und… warten. Oft kündigen die Verbände schon auf der Homepage an, dass es dauern kann, bis ein entsprechendes Kleingartenangebot unterbreitet wird. „Die Vergabe der zur Neuverpachtung anstehenden Gärten erfolgt auf der Grundlage einer Bewerberliste.“, heißt es z.B. auf der Homepage des Verbands der Gartenfreunde Berlin-Treptow e.v. Der Bezirksverband der Gartenfreunde Köpenick e.V. nimmt bereits seit dem 28. April 2022 keine Bewerbungen mehr entgegen, will aber darüber informieren, sobald sich das wieder ändert. Es lohnt sich also, immer mal wieder auf den Webseiten der jeweiligen Verbände vorbeizuschauen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Weg bis zum eigenen kleinen Stück Glück in Form eines Kleingartens lang werden kann. Aber wie heißt es so schön? Gut Ding will Weile haben; unsere Daumen sind gedrückt!

– A. Schwirrat