„Wie geht es Ihnen?“, frage ich die Menschen, die in meine Praxis für Psychotherapie kommen. Die meisten sind erleichtert und etwas unsicher zugleich. Eröffnet sich doch ein Raum für Themen und Gefühle, die wir nicht so leicht mit anderen teilen. „Wie geht es Ihnen mit der Klimakrise?“, fragen wir, als Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen von den Psychologists For Future, nun die Bürger*innen in den Berliner Kiezen.
Deutlich mehr Hitzetage in Deutschland, Trockenheit und Dürren in Brandenburg, sterbende Wälder im Harz, zerstörerische Flutwellen im Ahrtal, Starkregen und Gletscherschmelze – wir sind weltweit konfrontiert mit den Folgen des menschengemachten Klimawandels und den Auswirkungen auf unsere körperliche und psychische Gesundheit. Neue Wörter dringen in unsere Sprache – sie verändert sich mit unserer Realität: „Klimaangst“ ist keine Angst, die auf eine psychische Krankheit verweist. Im Gegenteil – hier nehmen Menschen wahr, dass sich in unserem Lebensraum etwas real Bedrohliches vollzieht. Das Klima auf der Erde verändert sich durch die vom Menschen in die Atmosphäre ausgestoßenen Treibhausgase. Die sogenannten Wärmestreifen verdeutlichen diesen Prozess für unsere Region: 

Welche Gefühle löst das in Ihnen aus? Angst, Trauer oder Wut? Schuldgefühle, Ohnmacht oder Gleichgültigkeit? Und vor allem – wie gehen wir mit ihnen um? Mehrere Krisen, die sich gegenseitig bedingen, stürzen gleichzeitig auf uns ein – Erderwärmung-Artensterben, Pandemien, Kriege, Hunger, Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen. Wie viel davon können wir verarbeiten, darauf mit angemessenen Lösungen statt Verdrängung zu reagieren? Wie entwickeln wir Klimaresilienz?

Wissenschaftler*innen bestätigen seit Jahrzehnten die Ergebnisse zum Klimawandel (IPCC). Doch effiziente Klimaschutzmaßnahmen wurden politisch viel zu lange verzögert. Auf Klimamonitoren (taz) können wir online in Echtzeit zusehen, dass uns weniger als 7 Jahre bleiben, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens ein – und noch gefährlichere Kipp-Punkte aufzuhalten. Die Zahlen lassen keinen Zweifel: eine maximale Geschwindigkeit von 130 km/h würde 600 Millionen Liter Sprit jährlich sparen. Fahren wir nun freiwillig langsam? In einer Diskussion zu dem Thema erhitzen sich schnell die Gemüter. Wieso verhalten wir uns so inkonsequent zur Faktenlage ?
Die Psychologists for Future haben es sich zur Aufgabe gemacht, psychologische Antworten auf diese Fragen zu finden und anzuregen, ins Handeln zu kommen für eine Zukunft, die Lebensgrundlagen für alle bewahrt.
Im Bürgerzentrum Grünau traf ich auf reges Interesse, vor Ort einen Austausch zum Thema Klimakrise zu schaffen. Schnell entwickelten wir Ideen: wir wollen auch weitere Fachleute und die Menschen vor Ort einbeziehen. Zum Auftakt wird es am 16. September 2022, ab 16:30 Uhr, im Park an der Anlegestelle Grünau, eine nachhaltige Mitmachaktion mit den Kindern der Kita Grüne Aue geben. Am Abend laden wir die Erwachsenen von 19:20 Uhr ins Bürgerzentrum, in der Wassersportallee 34, ein. Wir wollen ins Gespräch kommen, über Gefühle zur Klimakrise und etwas über die psychologischen Mechanismen erfahren, die uns davon abhalten, nachhaltiger zu leben. Wir wollen Visionen entwickeln für eine Zukunft, die gerechter ist und uns wieder dorthin verbindet, wo wir viel gesünder leben können – als ein Teil der Natur.

–Dipl. Psych. Kitty Voigt, Berlin