Die Mundgesundheit von Senior*innen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, so die Ergebnisse der fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V). War im Jahr 1997 noch jede*r vierte Senior*in im Alter von 65 bis 74 Jahre ohne Zähne, so ist das im Jahr 2016 nur noch jede*r achte gewesen. Auch die Mundgesundheit bei den über 75-Jährigen hat sich deutlich verbessert. Das sieht jedoch anders aus, wenn ältere Menschen pflegebedürftig sind. „Bei vielen pflegebedürftigen Menschen ist die Mundgesundheit schlechter als bei Menschen ohne Pflegebedarf“, erklärt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). „Umso wichtiger ist die richtige Mundpflege.“ Ältere Menschen mit Pflegebedarf haben weniger eigene Zähne und häufiger herausnehmbaren Zahnersatz. Knapp ein Drittel benötigt Hilfe bei der täglichen Zahn- und Mundhygiene. „Einen pflegebedürftigen Menschen bei der Mundpflege zu unterstützen, ist nicht einfach. Denn es ist viel Feingefühl, Sorgfalt, Geduld aber auch Wissen um das richtige Vorgehen gefragt“, so Suhr.

Vollprothese: guter Sitz und Speichel sorgen für Halt

In der Regel bestehen Vollprothesen, umgangssprachlich auch Gebiss genannt, aus einem rosafarbenem Kunststoff, der speziell für die Zahnmedizin entwickelt wurde. Die Prothese wird in der Regel mit Zähnen aus Kunststoff versehen. Wichtig ist, dass die Zahnprothese passgenau sitzt. Denn für den Halt der Prothese ist eine Saughaftung durch einen Unterdruck erforderlich. Er entsteht beim Einsetzen der Vollprothese zwischen Prothese und Kieferschleimhaut. Dabei dichten die Ränder der Zahnprothese die Schleimhaut komplett ab. So kann sich die Prothese ansaugen. Dem Speichel im Mund kommt bei der Abdichtung der Prothese eine zentrale Bedeutung zu. Bei Menschen, die unter Mundtrockenheit leiden, hält die Vollprothese deutlich schlechter.

Vorteile und Nachteile von Vollprothesen

Grafik: proDente

Die Versorgung eines Kiefers ohne Zähne mit einer Totalprothese ist die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen. Die Totalprothese ist in der Regel ästhetisch gut zu gestalten. Die Herstellung erfordert jedoch sehr viel Sorgfalt, insbesondere bei den Abformungen und den Abstimmungsprozessen mit dem zahntechnischen Labor. Die neue Zahnprothese benötigt immer eine gewisse Eingewöhnungszeit für die Patientinnen und Patienten. Auch Druckstellen, die unkompliziert und zeitnah entfernt werden sollten, können auftreten. Durch den Abbau des Knochens in Oberkiefer oder Unterkiefer kann die Zahnprothese mit der Zeit jedoch an Halt verlieren und sich vermehrt Druckstellen bilden. Im Rahmen der regelmäßigen zahnärztlichen Kontrollen kann gegebenenfalls dann eine Unterfütterung des Zahnersatzes durchgeführt werden, um die Situation zu verbessern. Auch eine Reparatur ist im Bedarfsfall gut durchzuführen.

Trotz guter Ergebnisse bei der Versorgung mit einem totalen Zahnersatz gibt es Situationen für die Betroffenen, die starke Einschränkungen der Lebensqualität aufzeigen. Denn trotz regelrechter Herstellung kann das Kauen und Sprechen stark eingeschränkt sein. In solchen Fällen ist eine aufwändigere Versorgung mit Implantaten sinnvoll. Für Prothesen im Oberkiefer kann eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität durch die Verankerung an mindestens vier Implantaten erreicht werden. Im Unterkiefer können bereits ein bis zwei Implantate einen besseren Halt für die Prothese bieten.

Insgesamt ist im Unterkiefer die Versorgung mit einer Totalprothese schwieriger. So gibt es im Unterkiefer weniger Auflagefläche für die Prothese als im Oberkiefer. Auch ist der Zahnersatz durch die Bewegungen der Zunge und Wangenmuskulatur schwieriger zu fixieren. Somit ist der Halt der Prothese im Unterkiefer meist schlechter als bei einem Gebiss im Oberkiefer. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt prüft im individuellen Fall die medizinischen Voraussetzungen und ob unter anderem genügend Kieferknochen vorhanden ist, der für eine Versorgung mit implantatgetragenem Zahnersatz im Oberkiefer oder Unterkiefer notwendig ist.

Vollprothesen richtig pflegen

Grafik: proDente

Die Pflege von Zahnersatz ist genauso wichtig wie die der natürlichen Zähne. Denn auch an herausnehmbaren Prothesen können sich Beläge, Bakterien oder Pilze ablagern. Regelmäßige Pflege der Zahnprothese erhöht die Haltbarkeit von Zahnersatz und beugt Krankheiten vor. Mit diesen Tipps Totalprothesen richtig pflegen:

  • Herausnehmbaren Zahnersatz mindestens einmal täglich systematisch mit einer Prothesenzahnbürste säubern.
  • Besonders gut reinigen: Außen- und Innenflächen, mit denen die Vollprothese auf Gaumen und Zahnfleischkamm aufliegt.
  • Nach der Reinigung der Zahnprothese diese gut abspülen. Tipp: Vorher ein Handtuch ins Waschbecken legen oder es mit Wasser füllen. Das verhindert Beschädigungen, sollte die Prothese beim Reinigen aus der Hand fallen.
  • Die von der Prothese bedeckte Mundschleimhaut und den Zungenrücken täglich mit einer weichen Zahnbürste reinigen
    und massieren. Das entfernt Beläge, fördert die Durchblutung und beugt Entzündungen vor.
  • Möglichst nach jeder Mahlzeit den Mund mit Wasser ausspülen und den Zahnersatz unter fließendem Wasser abspülen.
  • Reinigungstabletten für herausnehmbaren Zahnersatz können
    sinnvoll sein. Hierbei die Anwendungsvorschriften beachten.
  • Niemals harte Beläge mit Messern oder ähnlichen Werkzeugen
    vom Zahnersatz abkratzen. Das kann Schäden verursachen.
  • Angewendete Haftmittel gründlich vom Zahnersatz entfernen. Tipp: Speiseöl kann dabei helfen.
  • Regelmäßige Kontrollen durch die Zahnärztin oder der Zahnarzt durchführen lassen.
  • Von Zeit zu Zeit empfehlenswert: Eine Prothesenreinigung durch ein zahntechnisches Labor. Der Zahnarzt kann sie beim zahntechnischen Meisterlabor vor Ort veranlassen.

 

Quelle: Initiative proDente e.V. 

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