Vor 102 Jahren, vom 13. bis zum 17. März 1920, putschten Teile des Militärs, unter der Führung von General Walther von Lüttwitz und des Politikers Wolfgang Kapp, gegen die demokratisch gewählte Regierung der Weimarer Republik. Dies wird als erster Versuch rechtsextremer Kräfte gewertet, die Weimarer Republik zu stürzen.

Kapp-Putschisten am Potsdamer Platz in Berlin
Foto: Bundesarchiv, Otto Haeckel

Auslöser
Im November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Gleichzeitig herrschte in Deutschland politischer Tumult. Am 9. November wurde im Zuge der Novemberrevolution in Berlin die Republik ausgerufen und somit faktisch das Kaiserreich beendet, welches mit seiner imperialistischen und kriegstreiberischen Politik den Krieg mit zu verantworten hatte. Die Siegermächte verhandelten im Januar 1919 in Paris den Friedensvertrag ohne die Anwesenheit Deutscher aus. Da der Vertrag die alleinige Kriegsschuld Deutschlands und seinen Verbündeten festlegte, musste Deutschland Gebiete abtreten, das Militär verkleinern und Reparationen zahlen. Deutschland lehnte diese Bedingungen zunächst ab, doch nachdem die Alliierten mit erneuten Kriegshandlungen drohten, stimmte die verfassunggebende Nationalversammlung in Weimar im Juni 1919 zu. Als Auslöser für den Kapp-Putsch ist insbesondere die Verkleinerung des Militärs zu sehen.

Freikorps
Die Freikorps gründeten sich als bewaffnete Freiwilligenverbände aus ehemaligen Frontsoldaten, um Aufstände, insbesondere kommunistische, niederzuschlagen. Sie galten jedoch mehrheitlich selbst als antidemokratisch. Es war vorgesehen, die Freikorps in die regulären militärischen Strukturen einzuordnen. Doch nach der Annahme des Versailler Vertrags, mit der Truppenreduzierung auf 100.000 Soldaten, konnten diese Pläne nicht weiter verfolgt werden. Doch selbst nach der Halbierung des Militärs zählte die Armee im Sommer 1919 noch immer 300.000 Soldaten. Somit mussten 200.000 weitere entlassen werden, was insbesondere die schon eingegliederten Freikorpssoldaten betraf. Die damit entstandene Unzufriedenheit traf sich gut mit den Umsturzplänen nationalkonservativer Kräfte und dieses Zusammenspiel führte schließlich zum Kapp-Putsch.

Beteiligte und Verlauf
Wolfgang Kapp war ein rechtsextremer Politiker, der in der Deutschnationalen Volkspartei im Parteivorstand saß. Durch seine Vernetzung in antidemokratischen Vereinigungen war er mit General von Lüttwitz in Kontakt. Dieser war ranghöchster General der vorläufigen Reichswehr und gleichzeitig entschiedener Gegner des Versailler Vertrages, insbesondere der Truppenreduzierung. Nachdem Reichswehrminister Gustav Noske am 29. Februar 1920 unter anderem die Auflösung der von Lüttwitz unterstellten Marinebrigade „Ehrhardt“ verkündete, widersetzte er sich. Zunächst forderte von Lüttwitz eine Unterredung mit Noske, einen Abbruch der Truppenreduzierung und bestand auf Neuwahlen. Nachdem diesen Forderungen nicht stattgegeben und Lüttwitz beurlaubt sowie ihm die Verantwortung für seine Truppen entzogen wurde, plante er mit Wolfgang Kapp den Umsturz.
Am 13. März besetzte von Lüttwitz mit der Brigade Ehrhardt das Berliner Regierungsviertel. Die Hakenkreuze, die die Soldaten auf den Stahlhelmen trugen, zeugten von ihrer rechtsextremen Gesinnung. Nachdem die Reichswehr sich weigerte, gegen die Putschenden vorzugehen, flohen viele Mitglieder der Regierung, unter ihnen Reichspräsident Ebert und Reichskanzler Gustav Bauer. Infolgedessen erklärte sich Kapp zum Reichskanzler und von Lüttwitz zum Reichswehrminister und Oberbefehlshaber.
Als Gegenwehr riefen die reguläre Regierung und Gewerkschaften zum Generalstreik auf. Ab dem 15. März kam so in vielen Teilen Deutschlands das öffentliche Leben zum Erliegen. Bis heute gilt dieser Streik, an dem etwa 12 Millionen Menschen teilnahmen, als der größte der deutschen Geschichte. Da sich zusätzlich die Berliner Beamten weigerten, die Anordnung der illegitimen Regierung umzusetzen, scheiterte der Putsch am 17. März. Kapp und von Lüttwitz flohen nun selbst aus Berlin. Obwohl der Putsch scheiterte gilt er heute als Ausgangspunkt für rechten Terror gegen politische Stützen der Weimarer Republik, so zum Beispiel die Ermordung des aus Köpenick stammenden Außenministers Walter Rathenau.

Kapp Putsch und Köpenick
Aber was hat der Kapp-Putsch mit Treptow-Köpenick zu tun? Beim Rückzug der Putschisten kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung. Zwölf Adlershofer und drei Köpenicker verloren im Kampf um den Erhalt der Demokratie ihr Leben. Einem dieser Opfer, dem Mitorganisator des demokratischen Widerstands und Stadtrat von Köpenick, Alexander Futran, ist auf dem Futran-Platz in der Köpenicker Altstadt ein Gedenkstein gelegt worden. So erinnert dieser Platz in Köpenick noch heute den Opfern rechten Terrors und dass sie ihr Leben für den Erhalt der Demokratie gaben.

–L. Hoffmann-Kuhnt