Es ist Sonntag, die Sonne scheint und nach einem entspannten Frühstück mit klassischer Musik und Zeitungsduft, stecken wir die Köpfe zusammen und überlegen, was wir mit dem Tag anfangen. In unserer Hauptstadt gibt es unendlich viele Möglichkeiten. Sich zu entscheiden, fällt häufig schwer. Da kommt es uns gerade recht, dass heute Sonntag ist. Sonntag ist Flohmarkttag. Wer Schnäppchen und Unikate sucht, ist hier genau richtig. Eine leichte Jacke übergeworfen und von Köpenick durch den allmählich herbstlichen Wald nach Friedrichshagen spaziert. Auf dem Weg sammeln wir die duftenden und süßen Früchte eines Pfirsichbaumes ein, der am Straßenrand steht und seine ausgebreiteten Äste, ganz selbstverständlich, über den Weg streckt. Da müssen wir einfach zugreifen. Der Mirabellenstrauch daneben bietet ebenfalls genug Früchte, um ein paar Gläser Kompott zu kochen. Die Wasserbüffel und Rinder grasen friedlich auf der Weide und wieder einmal ist es kaum zu glauben, dass diese Idylle noch zu Berlin gehört.

Foto: Anne T.

Als sich die Bäume lichten, sehen wir schon den Menschenfluss, der sich an der Ecke sammelt. Jeden Sonntag, von 10:00 bis 16:00 Uhr, wird der von Straßenbahnschienen umgebene Parkplatz ‚zweckentfremdet‘. Der Flohmarkt in Friedrichshagen liegt direkt am Bahnhof und scheint, im Vergleich zu seinen Verwandten der Stadt, kleiner und übersichtlicher zu sein. Aber der erste Eindruck täuscht. Es herrscht reges Treiben, wir schieben uns geduldig durch die Massen und lassen unsere Blicke schweifen. Menschen aus dem Kiez, aber auch aus der Innenstadt, zieht es mittlerweile hierher.
Erst einmal orientieren. Zwischen Antiquitäten, Kleidung und Kunst finden sich auch Elektrogeräte und Möbelstücke sowie Lampen und Schmuck. Eine elektronische Pfeffermühle für einen Euro, einen gläsernen Lampenschirm für fünf. Wer gut handelt, kann mit wenig Geld einige Schnäppchen schlagen und dabei sogar noch das Bedürfnis nach Nachhaltigkeit bedienen. An einigen Ständen packt uns die Nostalgie, da sich ihre Händler*innen komplett auf die DDR Zeit fokussiert haben. Alte Schreibmaschinen, Postkarten, Pioniersfähnchen und Radios reihen sich aneinander und verströmen den altbekannten Duft vergangener Zeiten.

Foto: Anne T.


Das Publikum und das Angebot sind bunt gemischt. Einige Händler*innen kommen regelmäßig auf den Flohmarkt und verkaufen ihre angesammelten Schätze. Auch ein Obststand weckt unsere Neugier. Es werden alte Obstsorten und selbstgemachte Marmeladen aus der Region verkauft. Der ältere Mann, dem der Stand gehört, kommt seit Jahren aus Frankfurt Oder hierher und bereichert die Leute mit seinen Leckereien. Der Duft von Kaffee, gegrilltem und geröstetem Brot strömt über den Platz. Wenn man möchte, kann man den ganzen Tag hier verbringen, ohne dass es einem an etwas fehlt.
Der Trend, auf gebrauchte Produkte und abgelegte Dinge umzuschwenken ist nichts neues, es ist jedoch zu erkennen, dass zunehmend mehr Menschen von dem Angebot Gebrauch machen.
Es ist eine schöne Abwechslung zum altbekannten Einkaufserlebnis in vollen, einheitlichen Kaufhäusern mit gepfefferten Preisen. Erschwinglicher, mit frischer Luft und netten Bekanntschaften, geht es auf dem Flohmarkt zu. Die Menschen bieten aus den unterschiedlichsten Gründen ihre aussortierten Dinge an. Für die einen ist es das Hauptgeschäft, für die anderen ist es eine neue Erfahrung und für Kunstschaffende ist es eine gute Möglichkeit, ihre kreierten Werke zu präsentieren. Auch eine Pop Art-Künstlerin hat sich mit ihrem Wohnmobil, welches mit Shirts, Taschen, Postern von bekannten Hollywood Filmgrößen und Fantasiefiguren tapeziert ist, aufgestellt. Ein Frauenduo produziert Taschen aus recyceltem Ozeanplastik, welches in Portugal zu Stoffen umgewandelt wurde. Viele der angebotenen Produkte wurden nachhaltig produziert und die Leute lassen sich gerne in Gespräche verwickeln. Wie viel brauchen wir? Was wollen wir ausgeben? Was haben die Dinge für einen Wert?

Das Gefühl, dem kommerziellen Konsum zumindest eine Zeit lang zu entfliehen, teilen hier wohl alle. Der Flohmarkt ist definitiv einen Besuch wert. Nach dem Bummel kann wieder das schöne Treiben am Müggelsee genossen werden. Wir tragen unsere Schätze nach Hause und lassen den Sonntag ausklingen, bevor es wieder in eine neue, schaffensreiche Woche geht.

–Anne T.