Erst in der vergangenen Septemberausgabe haben wir über die Hakenkreuz-Ritzereien in Oberschöneweide berichtet. Unbekannte hatten die verfassungsfeindlichen Symbole Mitte August in den Autolack etlicher Fahrzeuge in der Umgebung gekratzt. Ein klarer Fall von Rechtsextremismus. Das sollte man zumindest meinen. Die AfD sieht das allerdings anders und so warnt Alexander Bertram, Fraktionsvorsitzender der AfD, gegenüber dem Tagesspiegel vor einer „Vorverurteilung“: „Ohne ein Wort des Mitgefühls mit den geschädigten Autobesitzern und ohne Kenntnis der Tathintergründe und jüngsten Ermittlungen der Polizei werden die Sachbeschädigungen als ‚Raumergreifung von Rechtsextremen‘ gedeutet und für ideologische Zwecke missbraucht“, erklärt Bertram (AfD).

Foto: Jens Rother

Mit der Meinung steht die AfD allerdings allein da – zumindest im Kreise anderer Parteien. Denn ganz allgemein gesprochen, scheint es in Oberschöneweide vermehrt rechtsextremistisches Gedankengut zu geben: Erst Anfang letzten Monats, in der Nacht von Montag, den 5. September, zu Dienstag, den 6. September, wurde die Polizei wegen eines ganz ähnlichen Vorfalls in die Kottmeierstraße alarmiert. Zeug*innen beobachteten zwischen 23:00 und 00:45 Uhr einen Mann beim Zerkratzen eines Autos, woraufhin er mit seinem Fahrrad in Richtung Rathenaustraße floh – vermutlich in die Steffelbauerstraße, in die die Beamten schon kurze Zeit später gerufen wurden und ihn auf frischer Tat ertappten. „Auf seinem Weg hat der Mann insgesamt 31 Fahrzeuge beschädigt, indem er deren Lack zerkratzte, Reifen zerstach, Kräder umwarf oder die Fahrzeuge mit verfassungsfeindlichen Symbolen beschmierte”, heißt es in einer Pressemitteilung des Bezirksamt Treptow-Köpenick. Bei dem 28-jährigen Tatverdächtigen soll außerdem ein Atemalkoholwert von 1,6 Promille festgestellt worden sein. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes ermittelt nun. Die Annahme für einen Zusammenhang zu den Vorfällen Mitte August besteht aktuell jedoch nicht. Als Grund für die Beschädigung nannte der Tatverdächtige seine Intention, die Fahrzeuginhabenden zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu motivieren.