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Die Temperaturen sinken, die tägliche Sonnendosis ebenfalls und die Sandalen wandern wieder in den Keller: Bis zum nächsten Jahr, lieber Sommer! Schön war es – und vor allem sehr heiß. Da tut der Abschied gar nicht allzu sehr weh und wir begrüßen mit dem Herbst seine vielen bunten Farben und gemütlichen Stunden. Doch auch, wenn wir uns alle auf Abkühlung und Gemütlichkeit freuen, so ist der Anbruch des Herbstes auch stets der Startschuss für die Grippesaison. Wissenschaftler*innen prophezeien erneut ansteigende Coronainfektionen und überhaupt begeben wir uns somit auch in die Hochzeit des Gähnens und der Energielosigkeit.
Neben vielen anderen kleinen und großen Wundern unserer Natur, kann auch Sanddorn (Hippophae rhamnoides) dahingehend Abhilfe schaffen und uns energetisierend durch die kalte Jahreszeit begleiten, denn – so viel ist sicher – Sanddorn ist ein wahrer Booster für unser Immunsystem.
Ursprünglich stammt die Wildpflanze aus Nepal, ist inzwischen aber auch bei uns in gemäßigten und temperierten Klimazonen verbreitet. Sogar in den Alpen, bis zu einer Höhe von 1.900 Metern, findet man mit etwas Glück Sanddorn. Der Sanddorn zählt zu den Ölweidengewächsen und zeichnet sich vor allem durch sein sonniges, beinahe mediterranes Aussehen aus.
Am wohlsten fühlt sich die Pflanze in Sand- oder Kiesböden an Bächen, Flüssen und Küstenregionen, wie z.B. an der Ostsee. Hier genießt der Sanddorn schon längst seinen Kultstatus. Ganz egal, in welchen kleinen Souvenirshop man entlang der Promenade wandert oder in welchem Café oder Restaurant man es sich zum Schlemmen regionaler Speisen gemütlich macht: Überall erwartet einen Sanddorn. Und das in den verschiedensten Variationen: mal zum Trinken als Nektar, Tee oder Likör; mal bissfest als Aufstrich, Marmelade oder im Kuchen oder auch in Kosmetikprodukten, wie Cremes und Seifen. Die nordische Perle hat es also in aller Munde geschafft.
Wer die Dinge lieber autark angehen und sich selbst auf die Suche nach Sanddorn machen möchte, muss aktuell nach den orangenen Früchten Ausschau halten, denn die tragen die bis zu fünf Meter hohen Bäume (oder auch Sträuche) mit ihrer unregelmäßigen Krone vor allem im September und Oktober. Die Blütezeit hingegen findet etwas früher im Jahr statt, etwa von März bis Mai. In jener Zeit tragen die dornigen Äste schmale, kurzstielige Blätter und beinahe unscheinbare kleine gelbliche Blüten. Übrigens: Der Sanddorn zählt zu den ersten Pflanzen, die das Ödland nach der Eiszeit besiedelten – eine geschichtsträchtige Vergangenheit hat der Sanddorn neben seinen äußerlichen Vorzügen also auch zu bieten.
Ein wahrer Allrounder, denn werfen wir nun einen Blick auf seine Wirkweise, wird schnell klar: gesünder geht’s kaum. Die orangenen Früchte – bei denen es sich übrigens ,nur‘ um Scheinbeeren handelt, beschützen in ihrem Inneren einen einzigen kleinen Kern. Dieser ist hart, sehr glatt und beim Kauen recht zäh. Essbar sind sowohl die Frucht selbst als auch der in ihr liegende Kern. Aber Achtung: Wer jetzt einen schön süßen Geschmack erwartet, hat sich geschnitten, denn die Sanddornfrüchte haben es in sich! Ihr Geschmack erinnert an einen bunten Mix aus Zitronen, Orangen und Mandarinen – nicht umsonst wird Sanddorn auch die „Zitrone des Nordens“ genannt. Aber Sauer macht bekanntlich nicht nur lustig, sondern auch gesund. Und so reicht bereits ein Teelöffel der Beeren aus, um den Tagesbedarf an Vitamin C zu decken. Das entspricht in etwa zwei Kiwis. Wer Sanddorn zu sich nimmt, stärkt sein Immunsystem, beugt Kreislaufproblemen, Kopfschmerzen, Erschöpfungsanzeichen und Erkältungen vor. Selbst die Rinde des Sanddorns findet Verwendung und wird in erster Linie medizinisch als natürliches Abführmittel eingesetzt. Die Frucht des Sanddorns ist im Übrigen auch die einzige, die zwei unterschiedliche Öle in sich trägt: Während das Fruchtfleischöl in allerlei Kosmetikprodukten zu finden und äußerst gesund für das Hautbild ist, wirkt das Kernöl entzündungshemmend.

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Klingt alles toll, aber die Zeit fehlt, um an die Küste zu fahren und Sanddorn zu ernten? Kein Problem: Mittlerweile findet man in fast allen Supermärkten Sanddornprodukte und auch im Internet gibt es zahlreiche Shops, die ihre Produkte direkt zu uns nach Hause liefern. Dabei lohnt es sich darauf zu achten, dass es sich bei den Anbietenden um regionale handelt; da die Produkte so kürzere Wege bis zu uns haben, was wiederum die Umwelt schützt und natürlich auch unsere regionalen Lebensmittelstrukturen stärkt. Wer die Möglichkeit hat, kann Sanddorn übrigens auch im Garten pflanzen; besonders beliebt ist er als Hecke bzw. Sichtschutz. Für die Kübelbepflanzung auf dem Balkon eignet sich Sanddorn allerdings nicht.
Halten wir abschließend also fest: Aus Sanddorn lässt sich eine ganze Bandbreite an gesunden Köstlichkeiten zaubern. So oder so bietet es sich an, die Sanddornbeeren erst einmal zu trocknen und somit haltbar zu machen. Dafür werden die orangefarbenen Beeren gewaschen, von schadhaften Stellen befreit und im Dörrautomaten, im Backofen oder auf der Heizung trocknen gelassen, bis sie schön schrumpelig sind. Das kann je nach Temperatur und Fruchtgröße wenige Stunden bis zu mehreren Tagen dauern. Liegen nun die getrockneten Beeren bereit, lässt sich durch einfaches Aufgießen mit heißem Wasser z.B. ein leckerer Tee zubereiten: Hierzu einfach einen Teelöffel Beeren in ein Teesieb geben, mit 200 Millilitern kochendem Wasser übergießen, abgedeckt zehn Minuten ziehen lassen, et voilà: fertig ist der Booster-Tee fürs Immunsystem. –A.Schwirrat, Redaktion