Zur Zeit einer der beliebtesten Lost Places in Berlin, blickt der Spreepark auf eine turbulente Vergangenheit zurück – und hoffentlich auf eine spannende Zukunft.

Foto: Steffen Ostermaier

Der Spreepark zu Zeiten der DDR

Der beliebte Freizeitpark wurde 1969 zum 20 jährigen Bestehen der DDR unter dem Namen Kulturpark Plänterwald eröffnet. Damals umfasste der Park eine Fläche von 29,5 Hektar. Er war sowohl der einzige ständige Vergnügungspark der DDR sowie nach der Wende der einzige Berlins. Das Konzept unterschied sich von vielen westlichen Themenparks, es war einfacher gestaltet. Den größten Teil nahm eine Asphaltfläche ein, auf der Fahrgeschäfte und Buden angesiedelt waren. Besonders beliebt war das Riesenrad, das zum 40. Jahrestag der DDR 1989 sogar noch einmal vergrößert wurde und nun 40 Gondeln umfasste. Lange diente es als Wahrzeichen Treptows. Dies waren wohl bisher die besten Zeiten des Parks, denn zu Zeiten der DDR kamen jährlich bis zu 1,7 Millionen Besucher*innen in den Freizeitpark. Zum Programm gehörten auch Konzerte, Tanzveranstaltungen und Veranstaltungen für Kinder.

Der Spreepark nach der Wende

Der Kulturpark wurde als volkseigener Betrieb 1991 vom Berliner Senat abgewickelt. Es gab mehrere Bewerbungen um die Betreibung des Parks, doch den Zuschlag bekam der umstrittene Schausteller Norbert Witte mit der eigens gegründeten Spreepark Berlin GmbH. Im April 1992 wurde der Park unter dem neuen Namen „Spreepark“ eröffnet. Denn eine der neuen Attraktionen bildete eine große Wasserlandschaf rund um das Riesenrad, welches dem Spreewald nachempfunden war. Im Gegensatz zur DDR wurde nun ein pauschaler Eintrittspreis für den Park erhoben. Zuvor konnte für die einzelnen Attraktionen bezahlt werden.

1997 schlossen die Spreepark Berlin GmbH und das Land Berlin einen Erbpachtvertrag bis 2061. Dieser sah vor, dass das Waldgebiet naturverträglich eingebunden werden sollte. Dies bedeutete, dass Versiegelungen sowie Baumfällungen größtenteils vermieden wurden. Unterstrichen wurde dies dadurch, dass der Plänterwald zum Landschaftsschutzgebiet erklärt wurde, auch Teile des Spreeparks fielen darunter. Die neuen Auflagen verhinderten den dringend notwendigen Bau von Parkplätzen. Auch der dadurch erschwerte Anfahrtsweg wird für die ausbleibenden Besucher*innen verantwortlich gemacht. Mit nur einer halben Millionen Besucher*innen jährlich blieben die Zahlen sowohl hinter den Erwartungen der Familie Witte sowie der Beliebtheit des Parks in der DDR zurück.

Das vorläufige Ende des Spreeparks

Die Familie Witte gab 2001 den Spreepark auf und kündigte den Erbpachtvertrag. Die Spreepark GmbH meldete Insolvenz an und so ging das Gelände in den Besitz der Berliner Liegenschaftsfonds über. Die Familie Witte wanderte mit samt einiger Attraktionen aus der DDR nach Peru aus. So war unter anderem der „Schmetterlingsflug“ bis 2009 in Lima zu besuchen.

Für den Spreepark folgten turbulente Zeiten. Während der Park verwilderte, bewarben sich immer wieder verschiedene internationale Parteien auf den Wiederaufbau des Freizeitparks. Insbesondere die Auflagen für den Naturschutz und die komplizierte Schulden-Situation in Millionenhöhe führten dazu, dass der Senat sich mit keiner Partei einigen konnte.

In der Zwischenzeit wurde der Park ein beliebtes Ziel für Sprayer*innen, andere Künstler*innen und Abenteuerlustige. Die Rückeroberung des einstigen Freizeitparks durch die Natur bot spannendes Fotomaterial und so zog der Spreepark als Lost Place wieder vermehrt Besucher*innen an.

2008 wurde der Park an die Familie Witte zurückgegeben, es gab offizielle Führungen sowie zahlreiche Events, wie Konzerte, Techno- und Rockfestivals.

Pläne für die Zukunft

Nachdem der Senat 2014 die Zwangsversteigerung platzen ließ und das Erbbaurecht zurückkaufte, musste die Familie Witte das Gelände räumen. Das Land Berlin gründete ein Tochterunternehmen mit dem Namen Grün Berlin GmbH, welches ein umweltverträgliches Nutzungskonzept für den Park erarbeitete. Der Plan ist, dass der Spreepark bis 2026 schrittweise saniert und als „Natur- und Kulturpark“ wiedereröffnet wird. Mit dem sanierten Riesenrad und einem Konzept, das dem Status des Plänterwalds als Landschaftsschutzgebiet Rechnung trägt, soll der Freizeitpark endlich wieder zu einer beliebten Berliner Attraktion werden.

–L. Hoffmann-Kuhnt