Foto: Industriesalon Schöneweide

„Ihr nehmt mir meine DDR-Kindheit nicht“, heißt das Buch, dass der Journalist Lutz Deckwerth über seine Kindheit in den 1960er-Jahren geschrieben hat. Deckwerth wuchs in Oberschöneweide auf. Sein Sohn hatte ihn immer wieder gebeten, von früher zu berichten. Deshalb begann er damit, seine Geschichten aufzuschreiben. So erzählt der Autor ebenso von seinen Besuchen bei den Großeltern in der Nähe von Quedlinburg, vor allem aber über seine Kindheit in „Oberschweineöde“. Seine Eltern waren Journalisten und gingen später als Auslandskorrespondenten nach Schweden. Die beiden Söhne mussten im Internat in Königs Wusterhausen zurückbleiben. Bei den regelmäßigen Telefonaten wurde Deckwerth von seinem Vater immer wieder aufgefordert, aufzupassen, was er sagte. Denn aller Wahrscheinlichkeit nach wurde die Telefonleitung von der Stasi überwacht.
Doch es gab auch schöne, unbeschwerte Tage mit großen und kleinen Abenteuern. So nutzen die Jungs die Industriebahn, um mit ihr sozusagen „per Anhalter“ fast bis zum Pionierpark in der Wuhlheide zu fahren. „Wir haben uns immer gefragt, warum die Bullenbahn hieß?“, schreibt Deckwerth. „Na, weil Dich die Bullen hops nehmen, wenn Du einfach mitfährst“, war die treffende Antwort eines Mitschülers.
Diese und andere Geschichten wird Lutz Deckwerth am Freitag, den 4. November, ab 19:00 Uhr, bei einer Lesung aus seinem soeben erschienen Buch im Industriesalon vortragen. Begleitet wird er dabei von seinem Sohn auf dem Klavier.

Update „Stadtlabor Wilhelminenhofstraße“

Passend zur Beschreibung einer Jugend in Oberschöneweide sind die Ausstellungen zum Projekt „Stadtlabor Wilhelminenhofstraße“ zu sehen, die noch bis zum 20. November im Industriesalon von Mittwoch bis Sonntag jeweils 14:00 bis 18:00 Uhr und an jedem Samstag in der Galerie Wilhelmine 5 (Wilhelminenhofstraße 5) von 14:00 – 17:00 Uhr geöffnet haben. Gern können Besucher*innen darüber hinaus für die Galerie Wilhelmine5 einen individuellen Termin vereinbaren. Besuchende erwarten Fotografien aus zwölf Jahrzehnten, Ansichten der Straße und ihrer Anwohnenden, Geschichten und Dokumente. Mitte Oktober fand ein Update der seit dem 10. September zu sehenden Ausstellung statt. Hinzugekommen sind in der Galerie Schöneweide, sogenannte Street-Prints. Sonja van Bergen und Albert Markert zeigen Grafiken, die direkt in der Wilhelminenhofstraße auf dem Bürgersteig entstanden sind. Drucke und Frottagen von Steinen, Kanaldeckeln und anderen Dingen lenken den Blick auf das, was sonst kaum Beachtung findet und entwerfen so ein anderes Bild der Straße.

Foto: Industriesalon Schöneweide

Georg Krause hat Porträts von Geschäftsleuten aus der Straße im Jahr 2012 fotografiert, die jetzt ebenfalls in der Galerie Schöneweide bis zum 4. November zu sehen sind.
Am 11. November startet um 19:00 Uhr ein Filmabend. Gezeigt werden alte und neue Filme zur Wilhelminenhofstraße, wie „Die Straße 2021“ von Hanna Hildebrand, „Der letzte Tag“, ein Film des rbb über den letzten Öffnungstag der Kneipe „Feierabend“ aus dem Jahr 1996 und andere Kurzfilme.

Guter Rad muss nicht teuer sein

Wer mit dem Rad unterwegs ist und Unterstützung braucht, kann sich jetzt am Industriesalon Hilfe suchen. An der neuen Fahrradreparatursäule darf nicht nur Luft gepumpt werden. Das Werkzeugsortiment ermöglicht beispielsweise, einen Reifen zu wechseln oder lose Schrauben anzuziehen. Und wer nicht mehr weiterweiß, kann sich gerne im Industriesalon Unterstützung holen.

–Peer Hauschild; www.industriesalon.de