„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft versaut!“

Laut rufend durchquert ein Demonstrant den Zuschauer*innenraum in Richtung Bühne. Immer mehr Menschen treten aus dem Publikum hervor, bis der Ruf aus der Menge bedrohlich laut anschwillt und über die Anwesenden hinwegrollt. Dann, Stille.

In einer eindrucksvollen Szene werden die Fridays for Future Demonstrationen mitten in die Aula der Sophie-Brahe-Gemeinschaftsschule in Treptow-Köpenick geholt, wo die Schüler*innen des Oberstufenkurses Darstellendes Spiel über zwei Schuljahre ein Theaterstück zum Klimawandel entwickelten und bis zur Premiere Anfang des Jahres intensiv probten.
In einer weiteren Kaskade an Stimmen hören die Zuschauenden die Städtenamen und Jahreszahlen vergangener Weltklimakonferenzen. Aus dem Stimmengewirr sind vereinzelt die Ziele der Konferenzen zu hören. Mahnend laufen die roten Ziffern einer Digitaluhr im Hintergrund mit.
Dieses Theaterstück „Schuld“ ist im Rahmen des Erasmus+ Projekts climART an der Sophie-Brahe-Gemeinschaftsschule in Treptow-Köpenick entstanden. Es gehört zu einem von vier Theaterstücken, die an teilnehmenden Schulen aus ganz Europa, entwickelt worden sind. Alle haben eines Gemeinsam: Eine schüler*innenorientierte Perspektive auf den Klimawandel und dessen Ursachen und Folgen. Die Integration aktueller politischer Diskurse ist eine zentrale Aufgabe von Schule und zugleich eine herausfordernde. Der Lehrplan ist eng gestrickt. Wo und wann finden dringliche Themen wie der Klimawandel Platz?

Sicher ist, dass dessen Integration in den Lehrplan für eine aufgeklärte und argumentationsstarke Jugend notwendig ist. Umso größer war die Vorfreude auf das ClimART Projekt, in dessen Verlauf die Berliner*innen und die teilnehmenden Schulen aus Serbien, Spanien und Italien jeweils ein Theaterstück zum Thema entwickelten.

„Bin ich schuld?“

Diese Frage stellt sich der Angeklagte im Stück der Berliner Schule. Wütende Zuschauende konfrontieren ihn mit den Ursachen und Folgen des Klimawandels und fordern das klärende Urteil. Der Kurs Darstellendes Spiel des 13. Jahrgangs verbindet drei zentrale Begriffe mit dem Klimawandel – Schuld, Langeweile und Ziellosigkeit. In drei Szenen verdeutlichen Sie ihre Perspektive auf den Klimawandel und fordern das Publikum mit klagenden Blicken in dem Zuschauer*innenraum heraus.
Die körperlich kreative Arbeit wird mit Wissen über den Klimawandel verbunden und integriert zugleich die Wahrnehmung der Jugendlichen. Daten und Fakten reichen oft nicht aus, um involviert zu sein. Erst die emotionale und persönliche Verknüpfung mit einem Thema erzeugt Engagement und Tatendrang. Die Bühnenarbeit bietet den Raum mit herausfordernden Gefühlen umzugehen und sie wirkungsstark im Theater zu verarbeiten, wodurch zugleich das Publikum zum Nachdenken und Mitfühlen angeregt wird.
In Gesprächen mit der Schüler*innenschaft wird deutlich, wie überwältigend die Aufgabe des Klimaschutzes vielen erscheint. Während bei den einen der Verzicht auf Fleisch oder die Reduzierung von Plastikprodukten im Alltag schon gängige Praxis sind, erliegen einige beim Anblick von Klimakatastrophen der Handlungsunfähigkeit.
Schulen sind der Ort, um die eigene sozial-politische Haltung zu bilden und mögliche Perspektiven aufzuzeigen. Die Verbindung von Kunst und Wissenschaft schafft wirksame Synergien, durch die Wissen zum Klimawandel nachhaltig vermittelt und Emotionen aktiv eingebunden werden. An Stelle von Resignation tritt gegenseitige Motivation und Handlungsbereitschaft im Sinne des Klimaschutzes.

Die Lehrkräfte wurden tatkräftig mit Lernmaterial zum Klimawandel und einem Leitfaden für die kreative Arbeit im Unterricht unterstützt. Wer sich den Klimaschutz in der eigenen pädagogischen Arbeit zum Ziel gesetzt hat, findet auf der Projektwebseite unter „Outputs“ tolle Anregung zur kreativ-künstlerischen Praxis in der Schule und an anderen Lernorten.

Die Nutzung der sozialen Medien sollte in keinem internationalen Projekt fehlen. Anschauliche Fotos und Videos des climART Projektes sind auf Instagram und Facebook zu finden.

-Karoline Buch